Zwischen Fjorden und Freiheit: Mit dem E-Auto durch Norwegens Norden
Bei der Planung unserer Senja Rundreise in Nordnorwegen war nach dem Buchen der Flüge das Thema Mietwagen an der Reihe. Und schnell stellte sich heraus, dass wir zum ersten Mal ein E-Auto mieten werden. Norwegen ist deutlich weiter als Deutschland, dort sind 32,2% aller Autos elektrisch (Quelle: Statistics Norway, SSB) und Verbrenner gibt es immer weniger. In Deutschland waren nur 4% aller Autos elektrisch. Um diese Entwicklung in Norwegen weiter zu fördern, werden auch Mietwagen überwiegend elektrisch angeboten. Warum wir uns für ein E-Auto entschieden haben? Ich bin ehrlich, zu aller erst war es ein Thema des Preises. Das E-Auto war rund 200€ günstiger als der Benziner. Also wurde klar: wir würden Senja elektrisch entdecken. Natürlich hatte ich Bedenken: würde es ausreichend Ladestationen auf der Insel geben? Wie lange müssen wir für das Laden einplanen? Wie oft müssten wir überhaupt Laden? Schnell machte ich mir sehr viele Gedanken, vertraute dann aber darauf, dass das schon alles klappen würde. Damit ihr nicht so viel grübelt wie ich, teile ich meine Erfahrungen als Hilfestellung für eure Planung.

Unser E-Auto auf Senja
Wir entschieden uns für einen VW ID3, das entspricht ungefähr einem Polo. Nach ein bisschen Recherche fanden wir heraus, dass das Modell circa 400 km Reichweite hat und je nach Ladesäule und Batteriestand zwischen 20 und 40 Minuten zum laden brauchen soll. Das ließe sich sicher einbauen, schließlich waren wir im Urlaub und hatten keinen Zeitdruck. Als wir das Auto dann in Tromsö abholten, zeigte der Bordcomputer tatsächlich etwas über 400 km. Reichweite an. Das Auto hing noch am Ladekabel, so dass die Batterie zu 100% geladen war, als wir starteten. Ein Ladekabel bekam wir dazu. Schon bei der Buchung wurde uns eine App empfohlen, die uns während der Mietdauer behilflich sein sollte. „Elton“ zeigte nicht nur Ladesäulen an, sondern konnte auch zur Zahlung genutzt werden und zeigte uns an, ob die Säulen belegt waren. Ich richtete mir ein Konto ein und sah mir an, wo wir auf Senja überall mit neuem Strom versorgt werden konnten. Das sah ganz gut aus, das würde schon klappen.


Laden auf Senja – Unsere Erfahrungen
Mit leichter Verwunderung habe ich auf der finalen Abrechnung der Mietwagenfirma gesehen, dass wir während der 8 Tage Senja Rundreise tatsächlich knapp über 900km gefahren sind. So viel kam es mir gar nicht vor. Da wir zu Beginn der Reise noch gar keine Erfahrungen über den Batterieverbrauch hatten, sind wir erst einmal auf Nummer sicher gegangen und haben schon nach den ersten Tagen das erste Mal geladen, als wir auf Sommaroy an einer Schnellladesäule vorbeigefahren sind. Wir mussten ein wenig auf einen freien Platz warten, es war doch einiges dort los und wir waren nicht die einzigen, die die Säule nutzen wollten. Es war sowohl möglich mittels App zu laden und zu bezahlen, als auch mit Kreditkarte. Wir entschieden uns zunächst für die Kreditkarte. Einfach die entsprechende Säule auswählen und dann bezahlen. Später haben wir dann ganz einfach über die App geladen, das ging ziemlich unkompliziert.
Wir haben nach Möglichkeit Schnellladesäulen mit mindestens 175 kW aufgesucht. Dort brauchten wir unser Kabel auch nicht, es war direkt ein „Zapfhahn“ vorhanden. Als die Batterie einmal bei 20% lag, wurden wir darauf hingewiesen, dass es nun Zeit zum aufladen sei. Wir haben dann ca. 50 Minuten gewartet, bis wir weiterfahren konnten. Die Zeit haben wir uns mit Kaffee und einem Stück Kuchen versüßt. Generell sind die Ladestationen immer in der Nähe von Supermärkten, Cafés oder Restaurants, so dass es während der Wartezeit eine Beschäftigung gibt. Wir haben aber auch gesehen, dass viele Menschen einfach in ihren Autos sitzen geblieben sind, bis der Akku wieder voll war. Natürlich, es dauert länger als das klassische Tanken von Benzin, aber ich fand die Ladeprozesse trotzdem immer recht entspannt. Die 20-30 Minuten Zeit hatten wir dann immer übrig oder haben sie zum Einkaufen oder einen kleinen Fotospaziergang genutzt.




Wenn wir wussten, dass wir länger unterwegs waren bzw. viel Fahren würden, haben wir früher einen Ladestopp eingeplant und sind nicht so lange gefahren, bis wie bei 20% waren. Denn die nächste Möglichkeit kann locker 50 km entfernt sein – soviel Wahrheit gehört auch dazu. Ironischerweise haben ich auf Senja deutlich mehr Ladesäulen für E-Autos als Tankstellen gesehen. Das zeigt schon wie gut das Netz für Elektrofahrzeuge ausgebaut ist.
Reichweite auf Senja – Wie viel Puffer braucht man?
Meine Bedenken bei Buchung des Mietwagen waren unbegründet, die Infrastruktur ist gut. An Ladestationen selbst mangelte es nicht, die schnellsten mit 175 kW befinden sich in Gryllefjord und Husoy. In Finnsnes dann könnt ihr mit bis zu 400 kW laden. Bei einer Reichweite von 400 km könnt ihr, je nach Entfernung, schon ein paar Tage unbekümmert fahren. Ich würde schon einen kleinen Puffer einbauen und ein bisschen Zeit und Strecke einplanen. Ab einem Reststand von 30-40% haben wir geschaut was wir noch vor haben und wo die nächste Lademöglichkeit ist. Ich fand die Situation vergleichbar mit unseren Roadtrips in Island oder auf den Lofoten. In den ländlichen Gebieten kannst du auch nicht unbedingt mit einer Tankstelle an jeder Ecke rechnen. So ist es dann auch mit den Ladesäulen.
Der Verbrauch der Batterie war unterschiedlich hoch, so hat zum Beispiel die hügelige Schotterstraße im Inselinneren deutlich intensiver an der Batterie genagt als die gut ausgebaute Touristenstraße im Norden. Fahrt ein bisschen vorausschauend und plant lieber einen Stopp mehr ein, wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt. Wir sind ganz gut damit gefahren.


E-Auto und Fähre – von Tromsø nach Senja
Der schnellste und einfachste Weg, um von Tromsø nach Senja zu kommen, ist die Fahrt nach Brensholmen und dann die Fährüberfahrt nach Botnhamn. Inklusive 45 Minuten Fährüberfahrt seid ihr dann ca. 2 Stunden unterwegs. Alternativ führt auch der Weg über Finnsnes nach Senja, das ist nicht nur kilometertechnisch ein Umweg, sondern dauert auch ca. 1 Stunde länger. Der Vorteil der Fähre ist auch, das ihr mit dem E-Auto einen Rabatt von circa 40% erhaltet und pro Strecke dann 139 Kronen (circa 12,90€, Auto+2 Personen) statt 228 NOK bezahlt. Außer beim Preis macht es bei der Fähre keinen Unterschied mit welchem Auto ihr unterwegs seid, sofern noch Platz ist, könnt ihr mitfahren. Sehr viele Norweger*innen haben ein E-Auto, da werden keine Unterschiede gemacht.
Es gibt keine eigene Schlange, alle müssen artig anstehen, ob Van, Wohnmobil, Verbrenner oder Elektroauto. Das Kennzeichen wird bei Einfahrt abfotografiert und so die Kosten erfasst. Unser Mietwagen hatte einen Transponder und der Betrag wurde am Ende mit der Gesamtrechnung mit der Kaution verrechnet. Daher solltet ihr bei Abholung des Autos fragen wie mit den Fähren umgegangen werden soll. Eine Vor Ort Bezahlung gibt es nicht, wenn man keinen Transponder hat, muss man sich vorher bei Ferrypay registrieren und dort bezahlen. Während der Fahrt müssen alle aussteigen und die Zeit an Deck verbringen. Es gibt keine Lademöglichkeit an Bord, nur für euch persönlich stehen Kaffee und Snacks im Kiosk zu Verfügung. In Botnhamn geht es dann wieder runter vom Schiff und ihre könnt mit eurem Abenteuer E-Auto auf Senja starten.

Was kostet das Laden auf Senja?
Wenn man die App nicht nutzt (es gibt neben Elton auch Kople oder Circle K), habt ihr leider wenig Überblick über die Kosten. Das klassische Schild mit dem Preis pro Liter, den wir von der Tankstelle kennen gibt es nicht. An den meisten Stationen war ein QR Code abgedruckt, über den ihr den Preis abfragen konntet. In der App dann wurden die Preise konkret angezeigt. Auf der Insel ist der Strom etwas teurer als in Finnsnes oder Tromsø und liegt zwischen 5 und 7 NOK pro KW (derzeit 0,46-0,64€).
Es wird zunächst ein Betrag von 150 NOK geblockt und am Ende des Ladevorgangs wird der finale Betrag dann verrechnet. Wir haben insgesamt rund 77 Euro für alle Ladevorgänge bezahlt.



Senja mit dem E-Auto: Würden wir es wieder machen?
Zusammenfassend kann ich eine Senja Rundreise mit einem E-Auto auf jeden Fall empfehlen. Die gute Infrastruktur mit Ladesäulen und die einfache Handhabung mit der App Elton machen es leicht sich zurecht zu finden. Auch ohne die App ist ein Roadtrip gut zu planen, denn der Bordcomputer unseres Autos hat uns ebenfalls alle Ladestationen angezeigt und hat uns auch dorthin navigiert. Auch wenn ihr nicht erst eine extra App herunterladen und einrichten möchtet, kommt ihr gut auch nur mit einer Kreditkarte zurecht. Alle Ladesäulen, die wir aufgesucht haben, konnten sowohl mit Elton App als auch nur mit einer Kreditkarte verwendet werden. Die App hat den Vorteil, dass sie alle unterschiedlichen Anbieter, wie z.B. Kople, Telsa, Power Charge, Circle K oder Uno-X bedient und man dadurch auch einen guten Überblick über Belegung, Ladevorgang, Kosten und Ausgaben hat. Im digitalen Norwegen wird eben auch das Thema Elektroauto einfach und benutzer*innenfreundlich gemacht. Wenn ihr also eine Rundreise durch Senja plant, müsst ihr euch über das Thema E-Auto nur wenig Gedanken machen. Das gilt im Übrigen auch für den Rest (Nord)Norwegens. Wertvolle Infos und Tipps unserer 8-tägigen Tour durch Senja mit Stopps und Routen bekommt ihr hier.
Jetzt den Beitrag für später merken:

Hast du noch mehr Lust auf Norwegen und die Nordischen Länder bekommen? Dann stöber gerne hier weiter:





