Polarlichter, Wale, Fjorde und Stadtabenteuer in Norwegen
Tag 1: Nordwärts
Ein neues Land steht an. Meine letzten Urlaubstage wollte ich nutzen, um mir einen Herzenswunsch zu erfüllen. Schon immer wollte ich Polarlichter sehen. Bisher zog es mich im Winter immer in die Wärme, aber aufgrund der Pandemie schien es mir irgendwie nicht richtig, so weit weg zu fliegen. Daher nun also nach Norwegen, in die Kälte. Morgens starten wir nach einem Sprengstofftest am Handgepäck zunächst nach Oslo und steigen dort um.
Im Flieger stellen wir fest, dass mehrere dort nach Tromsø weiterfliegen. In Oslo wird es etwas stressig, denn tatsächlich werden die Koffer nicht durchgecheckt. Also müssen wir uns in unserer knappen Umsteigezeit sputen, die Koffer wieder aufgeben und nochmal durch die Security. Auch der Flieger nach Tromsø ist brechend voll und tatsächlich finden sich viele aus Frankfurt dort wieder. Nochmal knapp zwei Stunden fliegen wir in die Dunkelheit hinein. Tromsø liegt oberhalb des Polarkreises und es ist das erste Mal, dass ich so weit nördlich bin. Hier wird es kaum noch hell, und es ist richtig spannend, sich im Flugzeug vorzustellen, dass wir den Polarkreis überquert haben und nun ein neues Abenteuer starten.
Angekommen ist es tatsächlich schon stockdunkel und mit minus drei Grad echt kalt. Wie schön, genauso haben wir uns das vorgestellt. Mit dem Bus geht es dann in die Stadt. Auch wenn es dunkel ist, sehen wir schon einiges von der kleinen Insel, auf der Tromsø liegt. Die Straßen sind kaum geräumt, aber der Busfahrer steuert uns trotzdem bergauf und bergab durch enge Kurven. Es ist Sonntag und viel ist auf den Straßen tatsächlich nicht los. Nach unserem Check-in in unser kleines Apartment packen wir uns mit dicken Sachen ein und laufen los.
Wir erkunden die Altstadt, die schon weihnachtlich geschmückt ist. Die Stadt ist noch von früher erhalten, wurde kaum zerstört und es finden sich hier viele alte, typische Holzhäuser. Der wunderschöne Hafen ist toll beleuchtet und die Kulisse ist wirklich großartig. Der Blick über die Brücke zur Eismeerkathedrale und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund ist fast schon etwas kitschig. Nach einigem Hin und Her finden wir noch ein etwas rustikales Restaurant, das noch geöffnet hat, und wir gönnen uns eine leckere Fischsuppe und lokalen Kabeljau. Perfekt für Nordnorwegen. Das Wetter soll sich morgen ändern und etwas wärmer werden. Dann verschwindet der Schnee vermutlich. Wir schauen uns die Stadt dann im Hellen an und hoffen auf gute Sicht.





Tag 2: Regen+Regen = mehr Regen
Vorbei ist die Schneeherrlichkeit, denn es regnet Hunde und Katzen. Schon bei dem Blick aus dem Fenster bewahrheitet sich, dass der Wetterbericht heute doch recht hatte. Leider regnet es den ganzen Schnee weg und für uns heißt es also: Kapuze auf. Der Schirm ist hier im Allgemeinen nicht so beliebt. Da es den ganzen Tag regnen soll (was es bis zum Abend auch tat), entscheiden wir uns dafür, heute etwas mit dem Bus herumzufahren und uns die Insel Tromsøya anzusehen.
Los geht es zum Telegrafbukta, der Südspitze der Insel und einem beliebten Ausflugsziel der Tromsøer*innen. Heute ist hier kaum etwas los, das Wetter ist schlecht und es ist Montagmorgen. Aber wir stellen uns in den Wind und sind beeindruckt. Ganz klein kommt man sich hier vor: die raue Natur, die schneebedeckten Berge und wir mittendrin. Gott sei Dank sind wir dick angezogen, sodass uns wenigstens nicht kalt, sondern nur nass ist. Wir gehen hier etwas spazieren und machen viele Fotos, denn die Szenerie ist schon beeindruckend. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Teilchen (für schlappe 17 €) geht es weiter. Die Bedienung im Café wünscht uns noch einen schönen Tag, lacht und entschuldigt sich, weil wir nun wieder in den Regen müssen.
Der nächste Halt ist ein See im Inselinneren. Hier liegt noch Schnee, weil er etwas höher liegt. Wegen des vereisten Weges können wir leider ohne Spikes nicht den See umrunden und so begnügen wir uns mit einem kleinen Spaziergang, bis der Regen uns zurück zur Bushaltestelle zwingt. Jetzt geht es erst mal zurück zum Apartment und ins Trockene. Die Sonne verschwindet gegen 14 Uhr, wobei es eher heißen muss: die „Helligkeit“. Denn Sonne haben wir heute leider gar nicht gesehen. Wir machen uns auf den Weg zum Festland und über die Tromsøbrua bis zur Eismeerkathedrale. Die ist äußerst fotogen und von außen wohl sehenswerter als von innen. Daher sparen wir uns den Eintritt und begnügen uns mit der Außenansicht. Auch der Blick über den Fjord zum anderen Ufer lohnt sich, die vielen Lichter glitzern und bilden eine tolle Kulisse. Aber jetzt sind wir wirklich genervt vom Regen und machen uns per Bus auf den Rückweg. Dort wartet dann eine wohltuende Schüssel Spaghetti und eine heiße Dusche auf uns.



Tag 3: 70 Grad Nord
Es geht aufs Boot und weiter nach Norden. Wir verbringen fast den ganzen Tag draußen, genießen die winterliche Landschaft und hoffen auf ein paar Wale. Es ist viel los an den Booten, durch das schlechte Wetter am Vortag ist eine Tour ausgefallen. Doch heute wird es besser und so fahren wir mit zwei Hybridbooten los. Wir verlassen Tromsø bei Sonnenaufgang und fahren unter der Brücke, die wir gestern zu Fuß überquert haben, hinaus in den Fjord. Die Crew ist supernett und weist uns immer wieder darauf hin, wie sehr sie sich über die Sonne freuen, weil sie ab nächster Woche gar nicht mehr aufgehen wird. Auch heute wird sie nie richtig aufgehen, aber ein wahnsinnig schönes Licht produzieren.
Die schneebedeckten Berge der Lyngen-Alpen und der glitzernde Fjord – da gibt selbst der Guide zu, dass es heute „really beautiful“ ist. Knapp zwei Stunden fahren wir nach Norden. Immer wieder laufen wir an Deck – dick verpackt in vier Schichten wärmender Kleidung –, machen Fotos und genießen einfach dieses Erlebnis. Unter Deck können wir uns aufwärmen und gemütlich die Landschaft an uns vorbeiziehen lassen. Unterwegs bekommen wir von den Guides auch immer wieder Informationen zur Route, zu den Walen und wie wir uns verhalten, wenn wir sie sehen.
Auf ca. 70 Grad Nord, in der Nähe zur offenen Barentssee, werden wir langsamer. Wir erreichen die Stelle, wie wir sie vermuten, und schon an den Fischerbooten erkennen wir, dass es hier Hering gibt – auf deren Jagd die Wale hier sind. Gespannt halten alle Ausschau nach Rückenflossen oder Fontänen. Und dann tauchen sie immer wieder auf und wir dürfen einen Blick erhaschen. Das Boot hat den Motor ausgemacht und auch alle Passagiere sind mucksmäuschenstill. Alle haben ihre Kamera gezückt und warten, dass sich irgendwo wieder eine Rückenflosse zeigt. Zwar sehen wir heute nur Buckelwale und keine Orcas, aber darüber darf man sich nicht beschweren. Viele der Wale haben ihr Kalb dabei. Sie haben keine Angst und kommen immer wieder an die Oberfläche, wenn auch in deutlichem Abstand zum Boot. Und als sie dann weiterziehen, warten wir noch, bis sie weg sind, und treten dann den Rückweg an. Die Sonne geht schon wieder unter und bis zur Ankunft in Tromsø ist es wieder komplett dunkel. Wir gönnen uns noch ein Auswärtsessen mit Rentiergeschnetzeltem und fallen dann müde ins Bett.



Tag 4: Zum Durchpusten einmal bergauf, bitte
Der trübe Regen ist zurück. Das ist wirklich ärgerlich, aber ich kann es ja auch nicht ändern. Das mit dem Schneemärchen Nordnorwegen wird auch heute nichts. Dafür ist es mit 6 Grad nicht sonderlich kalt (danke Golfstrom) und nicht so schlecht zum Sightseeing. Wir wollen den Aussichtspunkt der Stadt finden, den wir auf Maps entdeckt haben, und lernen so auch mal die Wohngebiete abseits der Hauptstraße kennen.
Und schnell merken wir, wie steil es sofort bergauf geht. Na, da ist es mal ein Vorteil, dass kein Schnee liegt, sonst wären wir hier gar nicht hochgekommen. Der Punkt liegt im Garten einer Schule, aber es interessiert offenbar niemanden, dass wir hier sind. Und so schlecht ist die Aussicht tatsächlich nicht. Heute wird es kaum hell, denn die Regenwolken ziehen über den Fjord rein und die graue Suppe am Himmel wird uns den Tag über begleiten. Wir laufen im Hellen über die Tromsøbrua, die malerische Brücke, die die Insel mit dem Festland verbindet, und mir fällt auf, dass wir Tromsø das erste Mal bei Tageslicht sehen. Bisher war es immer dunkel gewesen. Und die mehrfach gestellte Frage, wie es ist, mit so wenig Tageslicht auszukommen, wird auch beantwortet. Denn überall, wo jemand zuhause ist, brennt auch Licht. Den ganzen Tag. Es ist gemütliches Licht, über mehrere Lampen verteilt, sodass es wohl gut auszuhalten ist.
Unser Ziel ist die Gondelbahn Fjellheisen, die uns auf den Hausberg bringt. Mittlerweile regnet es heftig, und je höher wir kommen, desto windiger wird es. Das sind ja tolle Aussichten. Und wieder treffen wir einige Deutsche und sogar welche, die am Vortag mit auf der Walsafari waren. Oben auf dem Berg wütet es so heftig, dass wir innerhalb kürzester Zeit nass sind. Sturm, Kälte und Regen geben uns den Rest, sodass wir nur kurz hoch zum Aussichtspunkt stapfen und Bilder machen. Nächster Halt: das warme und trockene Café an der Bergstation. Wieder werden wir rund 18 Euro für Kakao, Zimtschnecke und Kuchen los, aber zumindest sitzen wir lange direkt am Fenster und schauen zu, wie es langsam dunkel wird. Zurück unten am Fjord ist es dann eine Wohltat, dass es hier windstill und relativ trocken ist. Auf dem Rückweg halten wir am Polarmuseum und lernen einiges Neues über das Leben auf Spitzbergen, Roald Amundsen und andere berühmte Polarforscher. Das Museum steht auch dort, von wo aus der berühmte Norweger damals zu einer Expedition aufgebrochen ist.




Tag 5: Aurora bittet zum Tanz
Der Tag verspricht ein guter zu werden, denn schon morgens glüht der Himmel orange und es ist klar und kalt. Gute Bedingungen für die Polarlichter. Weil das Wetter so gut ist, stromern wir durch die Stadt und nutzen das Licht für Fotos und schauen uns nochmal Ecken an, die wir noch nicht kannten. Wir lassen es entspannt angehen, weil die Nacht lang wird, und lassen uns in der Touristinfo zu unseren Plänen morgen beraten. Die Fahrt nach Sommarøy ist mit dem Bus leider nicht möglich, aber die Mitarbeiterin empfiehlt uns, mit dem Bus nach Ersfjordbotn zu fahren. Also kaufen wir schon mal Tickets und suchen eine Verbindung raus.
Nach einer kleinen Pause am Nachmittag packen wir uns dann dick ein, denn es geht auf die Jagd nach den Polarlichtern und wir werden lange unterwegs sein. Wir sind insgesamt sechs Leute und fahren zur Küste. Unser Guide fährt ein paar Spots an und liest im Wetter und seinen Karten, wo der Himmel als Nächstes aufklart. An einem kleinen Strand sieht es gut aus und wir machen ein Lagerfeuer. Und tatsächlich zeigen sich die Lichter, als es ganz klar ist. Die Kameras sehen sie viel eher als wir, aber als wir wissen, wie man sie am besten erkennt, finden wir sie auch schnell. Und wie schön sie sind. Ein einzigartiges Erlebnis. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, so etwas zu sehen. Da war Mutter Natur gnädig mit uns. Mit heißem Johannisbeersaft wärmen wir uns auf und bekommen norwegisches Gebäck. Leider ziehen wieder Wolken rein und wir machen uns auf den Weg, noch ein paar andere Spots abzufahren. Leider erfolglos, und so liegen wir um kurz nach 2 Uhr im Bett. Aber wir sind keinesfalls enttäuscht, denn wir haben tolle Auroras tanzen sehen.


Tag 6: Fjord und Finnland
Die Nacht war kurz nach den Polarlichtern, denn wir wollten mit dem Bus los nach Ersfjordbotn. Und weil die hellen Zeiten hier kurz sind, müssen wir das Tageslicht ausnutzen. Als wir in den Anschlussbus umsteigen, werden wir mit einem tollen Sonnenaufgang belohnt. Im Bus nach Ersfjordbotn sitzen noch zwei andere Tourist*innen, der Fjord ist als Kurzausflug offenbar beliebt. Und Glück mit dem Wetter haben wir auch, der vorhergesagte Regen bleibt Gott sei Dank aus. Das Dorf am Fjord ist nicht sonderlich groß, aber die Kulisse ist ziemlich beeindruckend. Und schon typisches Norwegen-Klischee. Rechts und links von uns türmen sich die Berge auf, in der Mitte das Wasser, spiegelglatt und kristallklar. So stellt man sich wirklich Norwegen vor.
Wir erkunden das Dorf, den Wasserfall und den Fjord und nutzen die Kulisse für viele Fotos. Das einzige Café hier ist ziemlich begehrt, hier sitzen auch viele Einheimische. Ein gutes Zeichen. Wir haben Blick auf den Fjord und sehen zu, wie es langsam wieder zu dämmern beginnt. Mit dem Bus geht es wieder zurück nach Tromsø, wo wir uns an der kleinsten Bar der Welt noch einen Rentier-Hotdog schmecken lassen. Dann heißt es Ausruhen, denn wir hatten uns spontan überlegt, nochmal auf Polarlichter-Tour zu gehen. Der Tag war kalt und klar, nachts sollte es dann gute Bedingungen geben. Wieder mit vier anderen Gästen geht es also los. Unser Guide will nach Finnland und gibt uns schon einmal das kalte Wetter durch. Wir haben die Wahl zwischen minus 8 oder minus 20 Grad. Nur so zur geistigen Vorbereitung.



Je weiter wir ins Landesinnere kommen, desto trockener und kälter wird es. Und kurz vor der Grenze ist es da: das Winterwunderland, wie man sich Skandinavien im Winter vorstellt. Alles ist von Schnee überzogen und glitzert vor Kälte. Ich kann gar nicht genug davon bekommen und freue mich über den Vollmond, denn dadurch ist es so hell, dass man vieles trotz der Dunkelheit erkennen kann. Schon alleine für die Landschaft hat es sich gelohnt, noch einmal loszufahren. Mitten im Nirgendwo halten wir dann an einem See an. Minus 12 Grad. Ich nehme vorsichtshalber die angebotenen Winterstiefel vom Tourguide in Anspruch, damit die Füße nicht ganz so schnell einfrieren. Wir sitzen also in Finnisch-Lappland bei minus 12 Grad am Lagerfeuer, trinken heißen Johannisbeersaft und warten, dass der Himmel aufklart und die Polarlichter kommen. Eine ganz andere Kulisse als gestern, aber genauso hatte ich mir das vorgestellt. Und als es dann losgeht, sind alle ganz happy, wie schön die Lichter über den Schnee tanzen. Da ich jetzt besser weiß, wie ich die Kamera einstellen muss, kommen schöne Motive zustande. Es ist kurz nach 12 nachts, als wir wieder aufbrechen. Raus aus der Winterlandschaft, raus aus Finnland. Schade, aber jetzt war ich auch mal in Finnland, obwohl ich in Norwegen Urlaub gemacht habe. Gegen halb 4 sind wir dann zurück in Tromsø. Totmüde, aber happy.



Morgen geht es mit einem ganzen Haufen voller Marmeladenglasmomenten zurück nach Hause. Ich bin so dankbar für diesen tollen Urlaub. Aus einer spontanen Idee ist das Highlight des Jahres geworden und niemals hätte ich zu Beginn des Jahres gedacht, dass das Jahr dann so enden wird. Danke Norwegen, danke Tromsø. Nur den Regen kannst du beim nächsten Mal bitte woanders lassen und den Schnee eine Woche früher schicken.
Mehr zu Norwegen, Tromsø und den Polarlichtern findet ihr hier.

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