Mein Travel Diary für 4 Tage auf Sizilien
Tag 1: Donnerstag, Anreisetag
Ein wenig später als geplant setzt das Flugzeug auf dem Flughafen in Palermo auf. Auch bei der Swissair kann es offensichtlich mal leichte Probleme mit den Flugzeugen geben. Aber das kleine Drama mit der defekten Maschine in Zürich und dem Warten auf ein neues ist vergessen, denn ich freue mich auf die bevorstehenden Tage auf Sizilien. Ich verbringe ein verlängertes Wochenende in Palermo und bin gespannt was mich alles erwartet. Ich freue mich auf die Atmosphäre der Stadt, die alten Gassen und natürlich auf das Essen.

Ich entscheide mich am Flughafen in den Zug zu steigen, um in die Stadt zu kommen. Es fahren auch Busse, die preislich kaum einen Unterschied machen, aber da der Zug unabhängig vom Straßenverkehr ist, nehme ich die Schiene. Die Station befindet sich direkt am Flughafengebäude. Schnell ist ein Ticket gekauft und ich habe Glück, denn der nächste Zug fährt ein paar Minuten später ab. Während der nächsten 40 Minuten vergesse ich den Stress des frühen Aufstehens, die Hektik am Flughafen und den unfreiwillig verlängerten Aufenthalt beim Umsteigen in Zürich. Ich bin froh das erste mal auf Sizilien zu sein und schalte innerlich in den Urlaubsmodus. Ich genieße die Aussicht aus dem Zugfenster und bekomme einen ersten Eindruck von der Insel.
Vom Hauptbahnhof aus ist es ein 15minütiger Spaziergang zu meiner Unterkunft und direkt mache ich mir meine in Vietnam erlernten Straßenüberquerungstaktiken zunutze: einfach weitergehen. Palermo und Neapel sind offensichtlich in Bezug auf den Straßenverkehr ähnlich chaotisch. Und wo keine wichtige Ampel den Verkehr regelt, werden eigene Regeln gemacht. Aber genauso quirlig habe ich es mir auch vorgestellt. Ampeln sind in Palermo Freunde von uns Fußgängern, Zebrastreifen eher für Profis und Furchtlose. Und noch ein Klischee von Palermo bewahrheitet sich unterwegs: das Müllproblem. Die Stadt ist dreckig, an sämtlichen Ecken liegt achtlos Müll herum. Allerdings oft gepaart mit alter, herrschaftlicher Architektur unterschiedlichster Epochen – das ist wohl die reizvolle Kombination, die das Flair von Palermo ausmachen.

Ich kann schon einchecken und beziehe mein Zimmer. Nach einem kurzen Päuschen orientiere ich mich mit einer Kartenrecherche. Die nächste, gut bewertete Eisdiele ist nicht weit, also mache ich mich auf den Weg. Und ich werde nicht enttäuscht, das Eis ist wirklich sehr lecker. Mit der Waffel in der Hand schlendere ich in Richtung Marina und Meer. Ich lasse Palermo weiter auf mich wirken und setze mich an der Marina auf die Kaimauer. Ein Kreuzfahrtschiff verlässt gerade den Hafen und einige der Passagiere winken uns vom Deck aus zu.
Nach einer Weile mache ich mich auf den Rückweg und ende letztlich in einer Pizzeria. In den nächsten Tagen werde ich mich voraussichtlich durch Palermo schlemmen, die Pizza macht den Anfang. Ich entscheide mich für eine ungewöhnliche Pizza mit lokalen Zutaten: Kürbis, zwei Sorten sizilianischen Käse, Schinken und frischen Trüffel. Sie ist ein Gedicht und meine kulinarischen Erwartungen an Palermo werden voll erfüllt. Mittlerweile ist es dunkel und ich mache mich zu Fuß zurück zur Unterkunft. Die Straßen sind voller Menschen und überall ist etwas los. Noch von meinem Zimmer aus höre ich bis in die Nacht hupende Roller, Autolärm und die Stimmen der italienischen Unterhaltungen auf der Straße.






Tag 2: Freitag
Am nächsten Morgen folge ich der Empfehlung meiner Unterkunft und frühstücke in einer Bäckerei in der Nähe. Ich entschiede mich ganz klassisch für einen Cappuccino und ein Pistaziencroissant. Nach dieser Stärkung heißt es endlich Sightseeing und mehr von Palermo kennen lernen. Um den Massen des Wochenendes zu entgehen, entscheide ich mich zuerst zum Dom zu gehen und dort auf das Dach zu erklimmern, einem der bekanntesten Aussichtspunkte der Stadt. Es ist Freitag vormittag und noch ist nicht allzu viel los. Im Dom geht es hinter einem kleinen Seitenaltar die Treppen hoch, bis ich über mehrere Etagen das Dach erreiche. Zwischendurch muss ich kurz warten, denn die Treppen sind so schmal, dass immer nur eine Richtung erlaubt ist. Der Blick auf die Stadt ist großartig und der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Die Altstadt ist gut zu Fuß zu erkunden und ich lasse mich treiben, laufe durch die schmalen Seitengassen und sauge den morbiden Charme der Stadt ein. Die Architektur wechselt von alt und heruntergekommen zu sauber und saniert. Vieles erinnert mich an Neapel. Ich mag das und vieles entspricht dem, was ich mir vorgestellt habe. Die Stadt vereint eine faszinierende Mischung aus unterschiedlichsten Stimmungen und hat unglaublich viel Flair.
Am Nachmittag stille ich dann meine Neugier auf die berühmten sizilianischen Cannoli. Schon zuhause hatte ich gelesen, dass ich die der „geheimen“ Konditorei des Katharinenklosters (I Segreti del Chiostro) probieren soll. Schnell stelle ich fest, dass es sich längst nicht mehr um einen Geheimtipp handelt, bereits am Eingang steht Security und der Eingang ist modern und barrierefrei umgebaut. Und auch vor dem Verkaufsraum muss ich schon anstehen und eine Nummer ziehen. Das Cannolo selbst ist riesig und wird frisch für mich gefüllt. Im idyllischen Innenhof sitzen schon viele Tourist*innen mit ihren Leckereien und auch ich suche mir eine kleine Ecke, wo ich in mein Cannolo beißen- und meinen Kaffee genießen kann. Die Creme ist lecker und nicht so süß, der Teig knusprig. Danach bin ich mehr als satt. Die benachbarte Kirche der heiligen Katharina, die ich im Anschluss noch besuche, ist jeden Euro des Eintritts wert und sehr beeindruckend. Auch das Kloster selbst kann besichtigt werden, das habe ich allerdings nicht wahrgenommen.






Nach diesem Zuckerschock heißt es wieder Schritte sammeln. Vorbei an den Quattro Canti (den vier Ecken), einem der berühmtesten Plätze der Stadt, geht es für mich weiter über eine der vielen Einkaufsstraßen bis zum majestätischen Theater Teatro Massimo mit dem größten Auditorium in ganz Italien. Hier wurden auch Szenen des „Paten“ gedreht. Für eine Besichtigung bleibt leider keine Zeit, denn bald wartet eine Streetfood Tour. Nach den ganzen Kilometern, die ich heute schon gelaufen bin, freue ich mich auf noch mehr typisches, sizilianisches Essen.
Gemeinsam mit drei Spanierinnen klappe ich am Abend unterschiedlichste Läden mit lokalen Spezialitäten ab. Wir starten mit Granita (Wassereis mit Geschmack von Nüssen oder Obst), Antipasti aus Kichererbsen, Artischocken und Zucchini. Es folgen Aranchini mit unterschiedlichen Füllungen, Focaccia und zum Schluss noch einmal Cannoli. Mehr geht dann aber auch nicht. Bei den Cannoli muss ich bereits passen und überlasse es den anderen. Der Abend endet in der Marina, wo wir mit bunten Wasserspielen unterhalten werden.
Tag 3: Samstag
Das Frühstückscroissant heute nehme ich in einer kleinen Kaffeebar direkt um die Ecke ein. Der ältere Herr hinter dem Tresen hält mich offensichtlich für deutlich fortgeschrittener in meinen Italienischkenntnissen als ich in Wirklichkeit bin und deutet an, dass ich mich ruhig hinsetzen kann und am Tisch frühstücken kann. Samstag morgens ist in Palermos Kaffeebars offenbar nicht so viel los und ich sitze ganz alleine über meinem Frühstück.
Der Vormittag ist mit einer „No Mafia“ Tour gefüllt. Zahlreiche Palermo Reisende haben diese Tour empfohlen und ich habe mich dann auch dafür entschieden mehr über diese Bewegung zu lernen. Es handelt sich um eine Initiative, die die Menschen in Palermo und dem Umland überzeugt nicht mit der Mafia zusammenzuarbeiten. Im Rahmen der Tour erfahre ich nicht nur viel über die Mafia und ihr Treiben auf Sizilien, sondern auch wie ich bei Cafés und Restaurants erkennen kann, dass sie sich weigern das Schutzgeld („Pizzo“) an die Mafia zu zahlen. Für den Rest meines Aufenthaltes nehme ich mir vor möglichst auf den „No Pizzo“ Aufsteller zu achten und diese Geschäfte zu unterstützen. Am Ende kann ich mich anschließen und die Tour definitiv für alle Interessierten empfehlen.




Nach drei Stunden Mafia brauche ich eine Stärkung und ich folge der Empfehlung des Guide von gestern ein Aranchino bei „KePalle“ zu bestellen. Die frittierte Reiskugel mit Käsefüllung ist jetzt nach dem anstrengenden Vormittag genau das Richtige. Und weil es auf Sizilien keinen Tag ohne Granita geben darf, probiere eine neue Sorte Granita, dieses Mal Zitrone. Das süß-saure Eis ist hervorragend und tut richtig gut. Den Nachmittag gehe ich etwas entspannt an und ich bummle durch die Geschäfte, um ein paar lokale Köstlichkeiten und Mitbringsel zu ergattern. Im Garten Villa Bonanno entspanne ich unter einer Palme und beobachte das Treiben der Stadt.
Weil es zu früh für ein Abendessen ist, mache ich es wie die Italiener*innen und suche mir eichen Platz für einen Aperitivo. In einer kleinen Seitenstraße bestelle ich mir einen Crodino und lasse den Tag ein wenig Revue passieren. Ich muss schmunzeln, weil sich die Angestellten der winzigen Bar in einer unglaublichen Lautstärke unterhalten und gefühlt die ganze Straße zusammenschreien. Nebenbei wird noch über Lautsprecher telefoniert und ein Kind angewiesen irgendetwas vom Nachbarn zu holen. Mehr Klischees kann man kaum erfüllen. Mit leckerer Pasta im Bauch und mehr als 20.000 Schritten auf dem Zähler schlendere ich später zurück zur Unterkunft.



Tag 4: Sonntag, letzter Tag und Abreise
Der letzte Tag in Palermo und ich freue mich, dass ich erst am Nachmittag zurück zum Flughafen muss. Das Café, welches ich zum Frühstücken rausgesucht habe, hat erfreulicherweise einen „No Pizzo“ Aufkleber an der Tür. Während ich meinen Cappuccino schlürfe frage ich mich, ob die kaputte Schaufensterscheibe wohl damit zu tun hat, dass man sich weigert den „Pizzo“ zu zahlen. Auch wenn das Spekulation ist, nach den Informationen der No Mafia Tour gestern ist das leider durchaus möglich. Genau weiß ich es natürlich nicht.
Den Vormittag verbringe ich auf dem Flohmarkt. Sonntags findet dieser rund um den Giardino Garibaldi statt. Hier kannst Du richtige Schätze finden. Im Vergleich zu manchen Flohmärkten bei uns gibt es hier viele Dinge, die wortwörtlich aus einer Zeit stammen. Kaum Nippes, sondern echte Originale an Hausrat, Büchern, Platten, Werkzeug und Möbeln. Auch Künstler*innen stellen ihre hergestellten Taschen oder Schmuck zum Verkauf. Da ich auf Handgepäck begrenzt bin, verkneife ich mir etwas mitzunehmen. Aber der Flohmarkt ist ein toller Tipp für Deinen Besuch in Palermo.
Ich möchte mir noch den Botanischen Garten anschauen und mache mich auf den Weg. Die ersten Zitrusfrüchte hängen schon an den Bäumen und der Duft von Orangen- und Zitronenblüten ist deutlich erkennbar. Leider zeigen viele andere Pflanzen (noch) nicht ihrer vollen Blüte aber der Garten ist insgesamt sehr schön angelegt. Die historischen Gewächshäuser und verspielt angelegten Beete sind ideal für einen Sonntagsspaziergang und Pflanzenfans. Schade, dass nicht mehr geblüht hat.





Ich sitze mutterseelenallein an meinem Tisch in einem kleinen Restaurant und bekomme die in Palermo typische Pasta con le Sarde – Nudeln mit Sardinen. Gar nicht so einfach mittags bzw am frühen Nachmittag ein Restaurant zu finden, welches schon geöffnet ist. Die Besitzerin des Ladens ist sehr nett und gibt sich viel Mühe, dass ich mich wohl fühle. So langsam muss ich mich von Sizilien verabschieden. Noch einmal tanke ich ein bisschen Sonne und nehme die chaotische Stimmung der Stadt noch einmal ganz bewusst auf.
Ich hole meinen Koffer aus der Unterkunft ab, den ich freundlicherweise dort deponieren konnte und mache mich auf den Rückweg zum Flughafen. Der Zug fährt ein paar Minuten ab und spuckt mich am Terminal wieder aus. Mit einem weinenden Auge verlasse ich diese wunderbare Insel. Aber das andere Auge lacht und ich bin froh, dass ich so eine tolle Zeit in einer wunderbaren Stadt verbracht habe.
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Bildnachweise:
Fotos zum Teil von Unsplash: Michele Bitetto, David Salamanca, Stepan Dudycha, Dylan Freedom, Etienne Girardet

