Wie viele Tage du wirklich brauchst (und warum 2 nicht reichen)
Auf der Suche nach neuen Zielen für eine Städtereise habe ich mich dieses Mal für Krakau entschieden, eine der schönsten Städte Polens. Die meisten denken bei Städtetrips in Polen an Danzig, aber ein Blick auf Krakau lohnt durchaus. Die Stadt begeistert mit einer faszinierenden Mischung aus Kultur, Geschichte, Sehenswürdigkeiten und viel jungem Flair. Mir hat vor allem die Abwechslung und der Charme der Stadt gefallen. So ein Städtetrip dauert bei den meisten von uns in der Regel zwischen zwei und drei Tagen, und da bietet sich natürlich ein Wochenende für deine Reise an. Schnell habe ich dann festgestellt, dass ein Wochenende auf jeden Fall zu wenig Zeit ist, um Kultur, Geschichte und Atmosphäre Krakaus wirklich zu erleben. Warum das so ist, erfährst du in den folgenden Abschnitten.

Krakau in Kürze – warum die Stadt so besonders ist
Krakau verfügt nicht nur über eine schöne, sondern auch über eine gut erhaltene Altstadt Stare Miasto. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte und war bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen und verfügt daher über alle wichtigen Einrichtungen aus der Zeit. Das historische Zentrum ist UNESCO-Welterbe und eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten bei deiner Städtereise. Darüber hinaus ist das Schloss auf dem Wawelberg ein Highlight und Wahrzeichen der Stadt.
Neben den mittelalterlichen Bauten gehört das jüdische Viertel Kazimierz auf deine Sightseeing-Planung. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die jüdische Bevölkerung hier angesiedelt, da sie in der Innenstadt nicht erwünscht war. Heute pulsiert hier das junge Leben der Stadt, du findest zahlreiche Cafés, Restaurants und kleine Läden; es herrscht ein ganz spezieller Charme.
Baulich mag Krakau alt sein, die Stadt selbst ist meinem Eindruck nach eher jung. Dank der Universität leben ca. 40.000 Student*innen in Krakau. Die Cafés und Straßen sind voll mit jungen Menschen, und in Kazimierz kannst du viel Streetart entdecken. Nur ein paar Gehminuten später wandelst du dann auf einem der größten Marktplätze Europas durch die Tuchhalle im Stil der Renaissance. Die Mischung macht’s in Krakau.





Was man an 2 Tagen schaffen kann
So, nun aber Butter bei die Fische und raus mit der Wahrheit. Die Sehenswürdigkeiten, die ich gerade in aller Kürze beschrieben habe, machen nur einen Bruchteil der Highlights aus, die du dir bei deiner Städtereise in Krakau ansehen solltest. Du planst für Krakau 2 Tage ein? Dann solltest du dich auf die Altstadt, Kazimierz und Wawel konzentrieren. Hier gibt es viel zu sehen und du bekommst einen guten Überblick, wie vielfältig die Stadt ist.
Tag 1: Altstadt und Wawel
Der Hauptmarkt Rynek Główny mit der Tuchhalle und der Marienkirche steht ganz oben auf der Must-do-Liste. Hier tummeln sich Einheimische und Tourist*innen und es ist viel los. In der Tuchhalle werden Souvenirs und Handwerk aus Krakau und Umgebung angeboten. Vom Marktplatz aus kannst du durch die Altstadt schlendern.
Im Schloss auf dem Wawel kannst du viel Zeit verbringen, es gibt viel zu sehen. Der gesamte Komplex besteht aus dem Schloss selbst mit Waffenkammer, Kronjuwelen und Katakomben sowie der Kathedrale. Nicht alles musst du dir ansehen, es gibt auch Tickets für einzelne Bereiche. Gerade wenn du nur zwei Tage in Krakau bist, kannst du hier ein bisschen Zeit sparen und dich nur auf die Sehenswürdigkeiten konzentrieren, die dich interessieren.
Der Wawel gilt als Pflichtprogramm jedes Krakau-Reisenden, daher ist hier entsprechend viel los. Rechne mit Warteschlangen und vielen Menschen. Auch wenn Krakau nicht Danzig ist – die südpolnische Stadt ist ebenfalls ein Touristenmagnet und gut besucht. So vergeht der Tag auch schnell in einer Schlange. Wenn du nicht von Attraktion zu Attraktion hetzen willst, solltest du dir nicht zu viel vornehmen und dir vorher ein paar Gedanken über deine Prioritäten machen.






Tipp für abends: Klavierkonzert
Fryderyk Chopin ist vermutlich der bekannteste polnische Komponist. Heute erinnert Krakau mit Denkmälern, Museen und regelmäßigen Konzerten an ihn und seine Bedeutung für die polnische Kultur. Wenn du ein Fan klassischer oder generell von Musik bist, lohnt es sich, sich am Abend ein Klavierkonzert von Chopin anzuhören. Es gibt unterschiedliche Anbieter und Locations; wir waren im wunderschönen Kloster der Bernhardinerpatres am Fuß des Schlosses Wawel, und für mich war das Konzert ein toller Abschluss des ersten Tages in Krakau.
Tag 2: Kazimierz, Oskar-Schindler-Fabrik, Fahrradtour
Oskar-Schindler-Fabrik
Fast jede*r, der Krakau besucht, kennt den Film Schindlers Liste, der nicht nur größtenteils hier spielt, sondern auch hier gedreht wurde. Die alte Fabrik von Schindler befindet sich etwas außerhalb der Innenstadt, ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten und bietet Geschichte zum Anfassen. Wenn du sie auf jeden Fall besuchen möchtest, solltest du dir genug Zeit einplanen und direkt am Morgen hingehen. Die Warteschlange ist recht lang, und für das Museum selbst empfehlen sich circa zwei Stunden. Die Einzeltickets sind zeitgebunden, das heißt, du musst zu einem festen Zeitpunkt am Einlass sein. Ich habe es in den zwei Tagen Städtereise leider nicht mehr geschafft, in die Fabrik zu gehen, weil ich vormittags eine Fahrradtour geplant hatte.
Tipp: Krakau per Fahrrad entdecken
Den besten Eindruck von Altstadt, Kazimierz und Weichselufer bekommst du im Rahmen einer Stadtrundfahrt. Ich kann hier eine Fahrradtour empfehlen, bei der du selbst in die Pedale trittst und die Stadt hautnah erleben kannst. Krakau ist fahrradfreundlich und trotz des Kopfsteinpflasters kann man im Zentrum fast überall gut fahren. Nebenbei erfährst du viele spannende Fakten über Krakau – oder auch Skurriles, zum Beispiel, was es mit dem feuerspeienden Waweldrachen am Weichselufer auf sich hat. Dank so einer Tour siehst du in wenigen Stunden viele Sehenswürdigkeiten.
Hip und spannend: Kazimierz
Die Erkundung des ehemaligen jüdischen Viertels bietet sich am Nachmittag an, wenn du Lust auf eine Kaffeepause hast. Vor allem Liebhaber*innen von Specialty Coffee sind hier im „coolsten Viertel Krakaus“ genau richtig. Aber auch ohne Kaffeegelüste ist Kazimierz natürlich sehenswert. Hier herrscht ein besonderes Flair: Die Fassaden sind teilweise alt und dreckig, dann wieder liebevoll restauriert. Hier und da haben sich Streetart-Künstler mit Malereien oder Graffitis verewigt, und du kannst viele Spuren aus der jüdischen Vergangenheit des Viertels entdecken.
Die historische Bedeutung ist überall zu spüren, und die Kombination mit dem hippen Flair der Cafés und Restaurants macht es besonders reizvoll. In Kazimierz kannst du dir bei Pasaż Listy Schindlera (Józefa 12) auch einen originalen Drehort von Spielbergs Film Schindlers Liste ansehen. Da das Wetter gut war, haben wir im beliebten und urigen Biergarten Mleczarnia (Rabina Beera Meiselsa 20) direkt neben der ehemaligen Filmkulisse wunderbar gesessen und das Flair des Viertels auf uns wirken lassen.
Als kulinarisches Muss gilt in Kazimierz der „Foodcourt“ Okrąglak am Plac Nowy. Ich setze es in Anführungszeichen, da es nicht der klassischen Vorstellung eines Foodcourts entspricht. Vielmehr handelt es sich um eine überdimensionale Litfaßsäule, in der viele winzige Essensstände ihre Gerichte aus dem Fenster verkaufen. In Vorbereitung auf meinen Krakau-Städtetrip wurde fast überall das in der Stadt berühmte Zapiekanki angepriesen – ein üppig belegtes Baguette, das nahezu unmöglich zu essen ist, ohne sich vollzukleckern. Die Auswahl an Belägen ist groß, und von mediterran angehaucht bis klassisch polnisch ist alles dabei. Danach könnt ihr das Abendessen getrost ausfallen lassen.





Was du bei zwei Tagen in Krakau verpasst
Rund um Krakau gibt es spannende Ausflugsziele, die mindestens genauso faszinierend sind wie die Stadt selbst. Aber sie brauchen ehrlicherweise auch Zeit.
Ausflug nach Auschwitz
Ein Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau gehört für viele bei einer Städtereise nach Krakau zum Pflichtprogramm. Die Gedenkstätte liegt ca. eine Autostunde von Krakau entfernt. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass dieser Ausflug einen ganzen Tag dauert und bei einem zweitägigen Aufenthalt nur schwer machbar ist, wenn du dir noch etwas mehr von Krakau ansehen möchtest. Sollte dir die Besichtigung von Auschwitz sehr wichtig sein, empfehle ich dir, eine Nacht mehr einzuplanen.
Salzmine Wieliczka
Die Salzmine Wieliczka ist nicht ganz so weit entfernt, du erreichst sie nach ca. 30 Minuten. Die unterirdische Welt ist nicht umsonst UNESCO-Welterbe und ganz anders als das, was man sich unter einer Salzmine vorstellt. In den kilometerweiten Tunneln erwarten dich Kapellen, endlose Korridore, Salzskulpturen, Kronleuchter und ein Salzsee. Ein Erlebnis, für das du laut Webseite der Salzmine mindestens 2–3 Stunden einplanen solltest.
Zakopane & die Tatra
Wer genug von Kultur, Stadtleben und Geschichte hat, kann einen Tag für etwas Natur einplanen. Entweder im Rahmen einer geführten Tour oder ganz auf eigene Faust – die Tatra mit dem Zentrum Zakopane bildet ein abwechslungsreiches Programm zum Stadtflair Krakaus. Hier findest du viele Wandermöglichkeiten, idyllische Bergseen und Freizeiteinrichtungen wie z. B. eine Unterwasserwelt, eine Riesenrutsche oder eine Miniaturwelt.


Wie lange in Krakau bleiben?
Krakau ist eine Stadt zum Eintauchen, Staunen, Verweilen. Spannend und voller Sehenswürdigkeiten. Es gibt viel zu entdecken und zu erleben. Zwei Tage reichen für einen ersten Eindruck – aber nicht für das Gefühl, Krakau wirklich erlebt zu haben. Nicht nur die Stadt selbst, auch die Umgebung bietet dir viele Möglichkeiten, noch ein oder zwei Tage an deinen Urlaub dranzuhängen. Interessierst du dich für Geschichte, dann nutze die Gelegenheit, die Gedenkstätte Auschwitz anzusehen. Wenn du nach dem Stadttrubel lieber eine Auszeit in der Natur suchst, kannst du einen Tag in der Tatra verbringen. Insgesamt würde ich für einen abwechslungsreichen und entspannten Städtetrip nach Krakau eine Dauer von 4–5 Tagen inklusive An- und Abreise einplanen.

Bildnachweis Titelbild: Tomasz Tomal auf Unsplash
Für noch mehr Inspirationen und Städtereisen Tipps schau gerne in meiner Rubrik Städtereisen vorbei. Hier findest du schon einmal eine kleine Auswahl an Reisezielen:





