Ich stelle dir die einzelnen Dörfer vor
Ein Urlaub in den Cinque Terre beginnt ganz oft mit der Frage: Wo sollen wir wohnen? Auch ich habe mir diese Frage gestellt. Wo ist es am schönsten? Wo gibt es einen Strand und wo ist am wenigsten los? Dass ich mir alle Dörfer anschauen wollte, stand für mich sowieso fest, aber nicht wo ich übernachten wollte. Also habe ich ein paar Stunden mit der Recherche verbracht und habe das Internet nach Tipps durchforstet. Am Ende haben wir uns dann für Vernazza entschieden, weil es uns zum einen gut gefiel und viele Menschen der Meinung waren, dass dies das schönste Dorf ist. Um dir die Auswahl etwas einfacher zu machen, stelle ich alle Dörfer vor, damit du weißt was dich erwartet. Für ganz viel Vorfreude und Tipps für deine Unterkunftssuche.
Der klassische Badeort: Monterosso al Mare
Das größte der Dörfer, welches schon eine kleine Stadt ist. Hier findest du viel Strand, einige Hotels und eine richtige Promenade, auf der du flanieren kannst. Viele Urlauber*innen übernachten in Monterosso, da es die größte Auswahl an Unterkünften hat und Möglichkeiten für ein paar ausgiebige Strandtage bietet. Der Ort besteht aus 2 Teilen, dem alten Ortskern und einem neueren Teil, in dem der Bahnhof liegt. Getrennt werden beide Bereiche durch einen Felsvorsprung. Diesen kannst du entweder über den Tunnel durchqueren oder den Weg nehmen, der um den Vorsprung herumführt. Es dauert bei beiden Möglichkeiten nur wenige Minuten, bis du den anderen Teil des Dorfes erreichst.





Monterosso bietet neben der größten Auswahl an Unterkünften und den Stränden auch viele Shoppingmöglichkeiten und Restaurants. Wenn dir das wichtig ist, lohnt es sich länger hier zu bleiben, dort zu übernachten oder abends für einen Bummel herzukommen. Außerdem hast du vom Aussichtspunkt Monumento a San Francesco d’Assisi einen spektakulären Blick auf die gesamte Küste der Cinque Terre. In Monterosso beginnt oder endet (je nach Perspektive) der Il sentiero Azzurro (der blaue Wanderweg), der alle Dörfer miteinander verbindet. Seit einem Erdrutsch zwischen Corniglia und Manarola ist dieser Abschnitt nicht mehr begehbar (Stand Sommer 2025), aber die anderen Dörfer kannst du über diesen Weg erreichen und von Monterosso bis nach Corniglia (oder andersherum) wandern.
Die Schöne: Vernazza
Viele Autor*innen sind der Meinung, dass Vernazza das schönste der Cinque Terre Dörfer ist. Und da ist sicherlich auch etwas dran. Der kleine Hafen mit der Kapelle und dem winzigen Strand ist ziemlich pittoresk. Vernazza ist das am meisten fotografierte Dorf der Cinque Terre, dementsprechend ist hier tagsüber viel los. Trotz des touristischen Trubels ist noch viel vom ursprünglichen Charme des Dorfes zu merken, vor allem morgens und in den Abendstunden. Vernazza ist ein toller Ausgangpunkt für Wanderungen, z.B. nach Monterosso oder Corniglia (beide kostenpflichtig, die Cinque Terre Card ist obligatorisch). Ob die Wanderung über den blauen Weg zwischen Monterosso und Vernazza wirklich zu den schönsten Wegen der Region gehört, wie oft beschrieben, kann ich nicht beurteilen, dafür habe ich zu wenig Vergleichsmöglichkeiten. Aber richtig schön ist er auf jeden Fall und führt an dem bekannten Foto Spot in den Weinbergen entlang, wo du einen wunderbaren Blick auf Vernazza hast.





Mir persönlich hat Vernazza auch am besten gefallen und ich bin froh, dass wir uns für eine Unterkunft hier entschieden haben. Abends kannst du schön im Hafen sitzen, aufs Meer schauen und den Sonnenuntergang genießen. Wenn du schwindelfrei bist, kannst du auch in den Bars und Restaurants oben an der Burg direkt über den Klippen sitzen.
In Vernazza findest du überwiegend kleine, authentische Appartements, mit etwas Glück mit Blick aufs Meer. Aber Achtung, hier ist in der Regel Treppensteigen angesagt und die Straßen sind längst nicht so komfortabel wie in Monterosso. Ein Rucksack ist hier dem Rollkoffer auf jeden Fall vorzuziehen.
Die Unbequeme: Corniglia
Ich nenne das Bergdorf Corniglia unbequem, weil es eine kleine Herausforderung werden kann es zu besuchen. Im Gegensatz zu den anderen 4 Dörfern der Cinque Terre hat es keinen Zugang zum Meer und liegt umgeben von Weinbergen auf 100 Metern Höhe. Der Bahnhof ist auf Meereshöhe gebaut und es sind ca. 400 Stufen, die du erklimmen musst, damit du Corniglia erreichst. Aus diesem Grund besuchen viele Urlauber*innen den Ort erst gar nicht. Und das ist wohl auch ein Argument, warum sich das Dorf den ursprünglichsten Charme aller Dörfer bewahrt hat.
Aber der Aufstieg lohnt sich, der Ausblick auf die Küste ist großartig und im Ortskern geht es deutlich entspannter zu. Enge Gassen mit kleinen Läden und Bars erwarten dich und du kannst wunderbar hindurch schlendern. Den besten Blick über die Küste hast du von der Aussichtsterrasse Santa Maria. Darüber hinaus gibt es wenig in Corniglia zu sehen. Hier kannst du auf jeden Fall gut entschleunigen.





Wandern bietet sich natürlich auch an, z.B. den blauen Weg nach Vernazza oder kostenfreie Wege im Hinterland. Mehr sehr gute Infos bekommst du in der Cinque Terre App oder in den Wanderkarten an den Verkaufsstellen der Cinque Terre Card.
Tipp: In der kleinen Eisdiele Alberto Gelateria gibt es richtig leckere hausgemachte Basilikum Granita und Basilikumeis.
Während der Ferienzeiten fährt am Bahnhof ein Shuttlebus, der dir das Treppensteigen erspart. Dieser ist heiß begehrt und kostenfrei, sofern du die Cinque Terre Card gekauft hast. Wir hatten Glück und der kleine Bus kam 10 Minuten nach unserer Ankunft am Bahnhof. Auf dem Rückweg haben wir uns dann für die Treppen entschieden und die Menschen bewundert, die uns schwer atmend entgegengekommen sind.
Unterkünfte sind in Corniglia vergleichsweise günstig und die Auswahl ist nicht sehr groß. Wenn du es ursprünglich und ruhig bevorzugst und dich das Treppensteigen nicht abschreckt, bist du hier genau richtig.
Der Sehnsuchtsort: Manarola
Manarola ist eine der bekanntesten Dörfer der Cinque Terre, denn es ist vielleicht das berühmteste Fotomotiv der Region und löst ganz schnell Fernweh aus. Vom Wasser oder vom Aussichtspunkt an der Via Belvedere aus zieht dich der Blick auf dieses faszinierende Sammelsurium bunter Häuser schnell in den Bann. Und für mich persönlich ist dieses Motiv der typischen bunten Häuser, die spektakulär an den Klippen „kleben“ eines der schönsten in den Cinque Terre.
Es gibt im Ort ein paar Badestellen, allerdings musst du dich fast immer auf Beton legen. Ein kleiner Weg, der Via Belvedere, führt vom Hafen aus in Richtung Corniglia. Wenn du diesen nutzt, hast du nach nur wenige Minuten den erwähnten und berühmten Ausblick auf Manarola. In der anderen Richtung siehst du dann die Küste, die Bahnstrecke und das Dorf etwas Corniglia weiter oben. Ein paar Stufen weiter oben liegt der offizielle Aussichtspunkt Punta Bonfigli. Hier kannst du prima eine Mittags- oder Eis Pause einlegen und das Panorama genießen.





In den sozialen Medien vermutlich vor allem durch seinen Pesto-Workshop bekannt geworden. An einer bekannten Bar (Nessun Dorma) am Felsen und unter einem Schilfdach bekommen Tourist*innen in einer unterhaltsamen Art und Weise gezeigt, wie das traditionelle Pesto Genovese gemacht wird. Überall wird das Nessun Dorma empfohlen, es hat schon Kult-Status. Ich fand die Preise auf der Karte allerdings ganz schön unverschämt. Für die besten Ausblicke zahlt man eben auch in den Cinque Terre etwas extra.
Vom Bahnhof aus kannst du entweder den Berg hinauf bis zur Kirche laufen oder in Richtung Hafen schlendern. Vor allem südlich des Bahnhofs in Richtung Meer sind viele Tourist*innen unterwegs. Manarola ist voller Bars, Restaurants und sehr touristisch. Hier endet auch der berühmteste Wanderweg der Cinque Terre, der Via dell‘ Amore, der Liebesweg. Oberhalb des Bahnhofs ist es schon deutlich ruhiger, vielleicht schreckt die steile Straße den Berg hinauf auch etwas ab. Falls du in der Nebensaison kommen möchtest: im Winter zwischen Dezember und Januar leuchtet in den Weinbergen eine Weihnachtskrippe mit Figuren über den kompletten Berg verteilt. Für mich ist Manarola neben Vernazza das schönste Dorf und wenn dir Vernazza etwas zu klein ist, bist du in Manarola genau richtig.
Die Postkarte: Riomaggiore
Der Blick auf den Hafen von Riomaggiore ist wohl ebenso wie Manarola eines der bekanntesten Motive der Cinque Terre. Das schmale, steile Tal, das sich in den Berg schmiegt, ist voller bunter, kleiner, aufeinandergestapelter Häuser. Es ist keine Ordnung zu erkennen und es lässt sich erahnen wie eng und steil die Wege innerhalb des Dorfes sind. Aufgrund der geographischen Gegebenheiten des Ortskerns liegt der Bahnhof ein wenig außerhalb und du gelangst über Tunnel und Treppen ins Zentrum.




Riomaggiore erscheint vom Hafen aus klein, die Häuser schlängeln sich aber das Tal entlang und das Dorf gehört zu den größten der fünf Orte. Auch hier findest du viele Bars, Restaurants und Unterkünfte. Sehr beliebt sind auch Bootstouren an der Küste entlang oder zum Sonnenuntergang. Rechne mit viel Gedränge, vor allem an dem bekannten Foto Spot an der südlichen Hafenmauer. Einen Perspektivwechsel bietet der weiter oben liegende Dorfkirche, von dessen Vorplatz du einen Blick auf das unter der liegen Dorf hast.
Der bereits erwähnte Via dell‘ Amore startet (oder endet, je nach Perspektive) direkt am Ortseingang. Der Eintritt muss direkt am Kassenhäuschen zu Beginn des Weges bezahlt werden, danach kannst du über den gut ausgebauten Weg einen bequemen Spaziergang bis nach Manarola machen. Du läufst immer die Küste entlang und hast schöne Ausblicke auf das Meer.
In Riomaggiore selbst kannst du dich fast ein bisschen verlieren, die vielen steilen Treppenstufen führen gefühlt immer zu neuen Treppen und Gassen. Wenn du einen Strand suchst, findest du nur einen kleinen Kieselstrand. Der ist ok, um kurz ins Wasser zu springen, für einen längeren Strandtag aber eher nicht geeignet. Wie auch in allen anderen Dörfern verfügt Riomaggiore über ein gutes Netz an Wanderwegen und es gibt Alternativen zum stark frequentierten und kostenpflichtigen Liebesweg.
Ehrlicherweise hat mit Riomaggiore nicht so gut gefallen und ich habe mich von den Hochglanzbildern im Internet etwas blenden lassen. Ich fand es relativ dreckig und ziemlich voll. Das war nur mein persönlicher Eindruck und ich war froh, dass wir relativ schnell wieder weitergefahren sind und nicht dort eine Unterkunft gebucht hatten. Vielleicht gefällt es dir aber besser und ich habe einfach einen schlechten Moment erwischt.
Schönheit ist natürlich Geschmackssache und ziemlich subjektiv. Vielleicht gefällt dir Riomaggiore besser als mir. Darum sollte sich jeder selbst ein Bild von den Dörfern der Cinque Terre machen und dann selbst entscheiden, welches ihm oder ihr am besten gefällt. Je nachdem was du im Urlaub suchst, wirst du dein Lieblingsdorf finden, denn alle sind sehr unterschiedlich und das macht auch ihren Reiz aus. Ich hoffe, dass dir mein kleiner Guide dabei hilft

Bildnachweise: Alle verwendeten Bilder stammen entweder von mir oder von Josh Hild (Unsplash), Mike L (Unsplash), Artiom Vallat (Unsplash) oder Ricardo Gomez Angel (Unsplash).
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Wunderschön. Vielen lieben Dank für die schönen Inspirationen